EARTH PEOPLES Solidaritätskundgebung in Berlin zur Aktionswoche der indigenen Völker Brasiliens

Solidaritätskundgebung zur Aktionswoche der indigenen Völker Brasiliens

Ohne Land kein Leben

Berlin 30. September 2013. Heute veranstalten AktivistInnen von Earth Peoples, FIAN, Rettet den Regenwald, FDCL, Gegenströmung und engagierte BrasilianerInnen vor der brasilianischen Botschaft in Berlin eine Solidaritätskundgebung zur Aktionswoche der indigenen Völker Brasiliens. Die Assoziation der Indigenen Völker Brasiliens (APIB) ruft anlässlich des 25-jährigen Bestehens der brasilianischen Verfassung zur Verteidigung der in der Verfassung festgeschriebenen Landrechte für indigene Völker und traditionelle Gemeinschaften auf.

Photo © Rebecca Sommer

Photo © Rebecca Sommer

Die genannten Organisationen in Berlin tragen die Forderungen der Indigenen Brasiliens mit Großpuppen, Fotos und Transparenten vor die brasilianische Botschaft in Berlin..

Die brasilianische Verfassung von 1988 legte einen Zeitraum von 5 Jahren fest, um die Demarkierung und den Schutz indigener Gebiete sicherzustellen. Diese Frist ist vor 20 Jahren abgelaufen. Viele indigene Völker leiden aber bis heute darunter, dass ihnen ihre Landrechte verwehrt werden, so z.B. die Guarani-Kaiowá in Mato Grosso do Sul, die ein marginalisiertes Leben in Reservaten oder in Lagern am Rande der Bundesstraßen führen müssen, oder die vom umstrittenen Belo Monte-Staudamm betroffenen Gruppen.

Die aktuelle brasilianische Regierung unter Dilma Rousseff verschleppt den Demarkierungs­prozess; zudem sind zahlreiche Maßnahmen in der parlamentarischen Diskussion, die die Durchsetzung der Rechte auf traditionelles Land erheblich erschweren würden, etwa der geplante Verfassungszusatz PEC 215. Nach diesem Vorschlag würde die Entscheidung über die Einrichtung eines indigenen Gebietes von der Präsidentin auf das Parlament übergehen. Dieser Vorschlag stellt einen gravierenden Rückschritt im Kampf um traditionelle Landrechte dar, da die großen Agrarproduzenten im Parlament stark vertreten sind, es dort aber keine Vertreter der Indigenen gibt, die ihre Rechte und Interessen direkt vertreten könnten.

Besonders stark ausgeprägt sind die Konflikte um indigenes Land im Bundesstaat Mato Grosso do Sul, wo neben Rinderhaltung in großem Stil Sojaanbau für die Futtermittelindustrie und Zuckerrohranbau für die Produktion von Agrartreibstoffen betrieben wird.

„Das geplante Gesetz PL 1.610 sieht die Möglichkeit des Bergbaus auf indigenem Gebiet auch ohne Zustimmung der Indigenen vor. Der Run auf Ressourcen bedroht durch die PL 1.610 152 indigene Territorien, einige von diesen indigenen Ländereien gar zu 96 Prozent. Zudem plant Brasiliens Regierung in den kommenden zehn Jahren mehr als 40 weitere Großstaudämme allein in Amazonien. Unter dem Deckmantel vermeintlich »grüner« Energie geraten die indigenen Territorien so weiter unter Druck.


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